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Rezension zu “So tödlich die Stille” von Melissa Schwermer

Ich gestehe

Selbstverständlich war mir der Name Melissa Schwermer ein Begriff. Dennoch hatte ich noch kein Buch von ihr gelesen. Man frage mich nicht nach dem Warum. Ich will nicht mehr über diesen Fehler reden.
Ein Post bei FB weckte meine Aufmerksamkeit für ›So tödlich die Stille‹, ich lud das eBook.
Was das Resultat ist, lesen Sie hier:

Das Cover und der Klappentext.
Cover und Klappentext sind die ersten Signale, die ein Buch sendet. Beide Signale waren bei diesem Buch vielversprechend, wirkten professionell und machten mich neugierig. Mein nächster Schritt war die Leseprobe, die mir einen tieferen Eindruck vermitteln sollte. Diese zweite Hürde haben schon einige Bücher bei mir nicht genommen und Melissa Schwermer geriet ebenfalls sofort in diese Gefahr.

Ich mag keinen Prolog …
… wenn man ungeschickt damit umgeht. Doch die Art und Weise, wie die Autorin das gelöst hat, begeistert mich. Der für die gesamte Geschichte wichtige Rückblick in das Jahr 2013 wird als eigener Handlungsstrang gekonnt durch das Buch konstruiert und perfekt bis zum Ende manövriert. Großartig fand ich auch, ›2013‹ jeweils als Kapitelvignette zu verwenden. Sofort kann der Leser an jeder Stelle im Buch erkennen, dass er sich in diesem Rückblick befindet.

Aber ich liebe es, wenn der Anfang mich mitreißt.
»Trotz Marthas Flehen war in seinem Blick nichts als Kälte«, was für ein erster Satz!
Auch hier blieb ich noch zurückhaltend, denn einen ersten Satz haben schon viele kreiert. Und sind dann schnell abgefallen. Bei Melissa Schwermer jedoch hört das Trommelfeuer der mitreißenden Formulierungen nicht auf. Seite um Seite peitschten vorüber, dass man es bedauert, wenn man am Ende des Buches angelangt.

Die Erzählkunst.
Melissa Schwermer kann scheinbar belanglose Dinge in eine mitreißende Spannung verpacken, wie ich es nur bei den ganz großen, wie John Grisham lesen konnte. Hier liegt ganz klar die unglaubliche Stärke dieser Autorin: Aus einem scheinbar unspektakulären Plot eine ganz große, eine packende Geschichte zu machen. Mit punktgenauen Formulierungen treibt sie die den Verlauf der Geschichte ohne Pause voran.
Figuren und Umgebungen werden extrem bildhaft und einprägsam beschrieben, sodass dem Leser ein klares Bild vermittelt wird – der Film beginnt beim Lesen.

Buchsatz und Rechtschreibung …
… waren insofern großartig, als professionell gesetzte Kapitelzahlen mit einem sauberen Unterstrich verwendet wurden, was ich sehr schön fand. Lektorat und Korrektorat waren ebenfalls professionell, die Fehlerzahl minimal. Das begünstigt das Lesevergnügen einmal mehr.

Der Plot.
Auch hier ziehe ich meinen Hut vor der Autorin. Sie nimmt ein einziges, schwieriges Thema und macht daraus einen dramatischen, spannenden Plot. Keine übertriebenen Effekte, keine Perversionen – einfach nur Schreibkunst.
Martha ist die bedauernswerte Protagonistin. Sie lebt in schlimmen Verhältnissen, hat psychische Probleme und findet scheinbar keinen Ausweg.

Der Spannungsbogen.
Bei 20 % empfand ich einen kurzen Hänger in der Spannung. Doch es lohnt sich dabei zu bleiben. Die Geschichte nimmt sofort wieder Fahrt auf und bleibt durchgängig bis zum Schluss packend. ›So tödlich die Stille‹ ist definitiv ein Pageturner.

Unerwartete Wendungen.
Es war über das ganze Buch hinweg offen sichtbar – dennoch war ich auf der falschen Spur. Die überraschende Wendung hat mich begeistert. Während ich Gut und Böse sortierte und der immer schneller werdenden Geschichte folgte, war ich über Strecken auf der falschen Spur. Gekonnt wird die Wendung präsentiert und lässt den Spannungsbogen immer weiter steigen, (Du weißt irgendwann zwar, wer der Böse ist, aber Du kannst ihn nicht aufhalten – denn Melissa Schwermer schreibt weiter).

Fazit:
Verdiente fünf Sterne für eine Autorin, die aus meiner Sicht nicht viel um sich Reden macht, statt dessen mit grandioser Schreibkunst daher kommt. Schade, dass ich sie nicht schon früher gelesen habe, das hole ich nun nach.
Meine klare Empfehlung an LerInnen von literarisch anspruchsvollen Spannungsromanen und an Autoren. Autoren deshalb, weil man hier fulminant lernen kann, wie es geht. Hut ab, Frau Kollegin, das war großes Kino.

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