Rezension “Schmitts Hölle – Verrat” von Joachim Widmann

★★★★★

Sibel Schmitt, Berlins taffste Polizistin, hat diesen Titel nicht ohne Grund von der Boulevardpresse verliehen bekommen. Die hochbegabte Top Ermittlerin kann einiges einstecken und noch mehr austeilen. Im Eiltempo kommt der Plot in Fahrt und jagt den Leser von Seite zu Seite. Die Geschichte spielt in der Gegenwart in Berlin.
Diesen Autor sollte man sich merken. Ein relevanter Plot mit bildhaften Figuren wird absolut gekonnt in Szene gesetzt. Joachim Widmann beherrscht die Gesetzte der Dramaturgie und hält den Leser kontinuierlich fest.
Das Cover hat mir persönlich nicht so gut gefallen, weil es dazu neigt, übersehen zu werden, das wird dem hochkarätigen Inhalt nicht gerecht.
Das Buch ist sehr gut lektoriert, es sind sehr wenige Schreibfehler enthalten (unter Standard). Die Konsistenz könnte an wenigen Stellen nachgebessert werden, was aber nur bei sezierendem Lesen auffällt.
Schon der Beginn des Buches ist insofern meisterhaft, als dass man sofort hineingezogen wird. Es wird zu keiner Sekunde erklärender Datenmüll verbreitet, wie leider häufig in manch anderem Buch. Joachim Widmann zeigt sofort seine große Stärke der szenischen Darstellung. Nötige Details werden absolut gekonnt zu gegebener Zeit eingebettet. Die sofort präsente Spannung bleibt bis zur letzten Seite bestehen, was ich in der Form selten sehe.
Der Autor erzählt im Präsens, was mir nicht so gut gefällt und an einigen Stellen das rasende Tempo des Leseflusses bremste. Das ist aber reine Geschmackssache, ich mag halt lieber die Vergangenheitsform. Nach dem wirklich rasenden Anfang habe ich mich gefragt, wann die übliche Pause eintritt. Keine Spur davon bei Joachim Widmann. Bei ca. 25%, wo andere Autoren gemächlicher werden und Luft holen, legt Widmann nochmals an Tempo zu. Der Schreibstil wird da für mich noch einmal besser.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Ich konnte Zuneigung oder Abneigung spüren, sah Figuren vor mir. Die Protagonistin Sibel Schmitt ist für meinen Geschmack zum Ende hin etwas überzeichnet gewesen, aber das ist besser, als ein blasser Charakter.
Die Anzahl der Charaktere war angenehm überschaubar, die Handlungsstränge passend verwoben.
Die Idee des Buches wurde hervorragend umgesetzt, am Ende konnte ich mich auch mit der Gegenwartsform anfreunden.
Die Geschichte entspricht den Erwartungen an einen Thriller einschließlich moralischer Überlegungen. Die Details wurden gründlich recherchiert. Einige Dialoge unter Schwerstkriminellen sind einen Hauch unrealistisch, aber das fällt auch nur einem „Sezierer“ auf. Der rote Faden war zu jeder Zeit erkennbar, die Handlung war überzeugend und nachvollziehbar.
Das Ende ist ein Paukenschlag wie das ganze Buch und macht auf die Fortsetzung neugierig.
Das Genre war passend. Das Buch klingt lange nach.

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