Rezension zu “Gier” von Marc Elsberg

Einer schreit und alle werfen Steine?

★★

Marc Elsberg ist ein Autor, den jeder kennt. Mit seinem legendären Thriller Blackout hat er sich ein Denkmal gesetzt. Um so nachdenklicher war ich, als ich die vielen kritischen Stimmen über sein neues Buch ›Gier‹ gehört und gelesen habe. Konnte es tatsächlich sein, dass zwischen den Büchern ein derartiger Unterschied lag? Oder handelte es sich um eine hysterische Welle, wie sie zuweilen in sozialen Netzwerken aufkommt: Einer schreit auf und sofort folgen Dutzende, die es schon immer gewusst haben und Steine werfen.

Ich musste der Sache auf den Grund gehen.
Das Cover ist o.k. aber nicht überwältigend, der Autorenname und der Titel haben mich mehr angezogen.
Die Schreibweise ist teilweise von unpassenden Metaphern durchzogen, dass der Lesefluss gehemmt wird. ›Herabstürzenden Meteoren gleich, explodierten Molotowcocktails in Feuerbällen und schwarzem Qualm.‹ Abgesehen davon, dass ein Meteor etwas mehr Qualm verursachen dürfte, als ein Molotowcocktail, habe ich mich gleich zu Beginn des Buches gefragt, in welchem Genre ich lese. Ein Meteor? Glücklicherweise wurden die Metaphern weniger, doch die Geschichte kam nur schleppend in Gang.

Der Buchsatz ist ordentlich, die Quote der Rechtschreibfehler professionell gering.

Die Story
Eine großartige Idee, die mittelmäßig aufbereitet ist. Teilweise verliert sich der Autor in selbstverliebten Theorien um Mathematik, die schnell unrealistisch scheinen und bald langweilen. Die Charaktere sind recht gut ausgearbeitet, hier hätte ich mir jedoch teilweise mehr Tiefgang gewünscht. Die Spannung ist nur stellenweise, und über lange Strecken gar nicht existent. Der rote Faden ist dünn gesponnen, anstatt einer mitreißenden Geschichte mit überraschenden Wendungen, erwartet den Leser klischeehaftes Actiongedöns, in dem kurz vor dem Einschlafen geballert und gedroschen wird. Teilweise hätte ich nicht mehr sagen können, was ich gerade gelesen hatte.

Der Nachgang
Das Buch klingt nicht nach – aus den Augen, aus dem Sinn.

Fazit:
Auch ich stimme in den Chor der eher kritischen Leser ein. Ein grandioses Thema, das allemal interessant ist, jedoch wurde zu wenig daraus gemacht. Der Titel Gier passt zu dem Ebookpreis von 19,99. Doch so einzigartig ist dieses Buch nicht, dass man es zu diesem Preis kaufen muss. Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, die fairere Preise aufrufen und gründlichere Arbeit abliefern.

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